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Garden of Forking paths; or: Adapting Principles of Virtual Guerrilla Gardening Without a Manual

Abschied Von Schopenhauer

Dunkelgrau, der Himmel, als wir das Café Stein betraten. Der stattlich Schöne und ich.

Bis jetzt ist es mir ein Rätsel wie sie Schopenhauer so lange ignorieren konnten. Der Troll in mir, hätte das vermerken wollen, bei Foursquare: »Unmotivierte Bedienung«.

Schwer fiel es mir nicht seiner Telefonbuchvorlesestimme zu lauschen und Geschichte über den Umzug, die Auseinandersetzung mit kafkaseken Telekommunikationsunternehmen, das Big-Goodbye in der Wohngemeinschaft und das Lebewohl von Leipzig.

Schopenhauer ist jetzt ein Mad Man.

Zum Abschied einen Tee, einen Milch-Café. Es sah nach Regen aus als wir das Café Stein verließen.

Nahe Ferne

Unsere Korrespondenz? Das Briefeschreiben, transportiert der Subtextes unsere Telefonats, ist ihr zu einer Last geworden.

Postkarten und nicht enden wollende Telefonate für sie naheliegende Wege der Entlastung;– ihre Vision unseres miteinander Sprechens.

Und mir wird bewusst: Mein handgeschriebener Anachronismus, ist für sie die bedrückende großen Geste nahegerückter Ferne, distanzloser Distanz, zu intensive Überbrückung von Weite.

Weite? In den Fugen der Distanz, die sich zwischen uns schleichen, wispert wehend beginnende Vergessenheit. Vermutlich war die hemmende Wirkung dieser Vergessenheit meines handgeschriebenen Anachronismus bloße Illusion; Projektionsfläche, auf der das Unsagbare haften blieb, die vermeintliche Tiefe des Gefühls.

Manchmal, denke ich, ist die Kommunikatonstechnologie, die wir bereits eifrig in Kulturtechniken gießen und von denen wir Tag für Tag unser Handeln miteinander Schritt für Schritt – allmählich – verändern lassen, nur eine Illusion von Etwas. Illusion von Nähe: überbrücker Raum, überbrückte Zeit, Abstand scheinbar negiert.

In ihrer Version plaudern wir künftig via Skype.

Sein Requiem Für Seinen Digitalen Freund

Am Donnerstag von uns gegangen. Zwischen zwei Augenblicken, während eines Reboots.

Mehr als nur ein Werkzeug für ihn, Ric’s Macbook Pro.

Ihm war er ständiger Begleiter. Paris, Berlin, München, Hamburg, Hannover, Leipzig. Nahm Anteil an der heißen Phase seines Diploms, war sein Medien-Center, Informations-Agent, Design-Studio und Teilarena unserer kleinen WarCraft-III-LAN-Parties.

Vier Jahre und ein Tag. Nahezu reibungslos verlief die Freundschaft zwischen den beiden, bis am Donnerstag plötzlich der LCD ausging, kein Start-Gong mehr ertönte.

Nun ist er dem authorisierten Apple-CareCenter ausgliefert; wir harren angesichts abgelaufener warranty auf die Befunde des kostenintensiven Kostenvoranschlags, kurz KVA.

SHK

Die Tage hasten an mir vorbei, wie die sich permanent verändernden, zur Kulisse degradierten Landschaften während einer Zugfahrt in einem sich effizient durch den Raum grabenden Hochgeschwindkeitszug. Deadlines durchziehen mein Leben.

Farblose Eindimensionalität; ein grau gewordenes Fragment meiner Selbst, in Auseinandersetzung mit meiner ToDo-Liste ein Abbild jener Hut tragendenen kafkaeksen Figuren aus den 1920er Jahren, gefangen im Malstrom genau getakteter Perfektion.

Meinem technischen Nebenjob »in der IT« kann ich mich kaum erwehren. Angesichts toter Linen fällt mir das Ziehen einer Grenze schwer.

Intro

Zwei Schritte vor und drei zurück…

»Ich bin ein feiger Mensch. Jetzt sage ich es, jetzt nachdem ich einen Plan durchgeführt habe, den ich nicht riskant zu nennen keinem einfallen wird.«

Jorge Luis Borges Fiktionen S. 79

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